"    Konjekturen und Konstruktionen \n  Welche \"Wirklichkeit\" der Bildung referieren Dokumente der Kunstgeschichte? \n  Im Hinblick auf Bild-Materialien, von interessierter Geschichtsschreibung als Dokument verwendet, zu sagen, sie seien \"fiktiv\", ist entweder trivial oder führt in schwierige begriffliche Problemstellungen hinein. Gleiches gilt für den propositionalen Gehalt historiographischer Sätze. Die Schwierigkeiten – sie würden übrigens ähnlich im Hinblick auf literaturhistorische Quellen auftauchen – stellen sich angesichts der Frage ein, in welchem Sinne behauptet werden könnte, daß \"fingierte\" Bilddokumente keine zu sichernde enthalten, in welchem Sinne es also vernünftig wäre zu behaupten, daß antike Bildwerke, niederländische Interieurs oder Landschaften, die \"Lindenstraße\" oder die Graffiti an Betonwänden keine Auskunft geben können über den je historischen Stand einer Bildungswelt. Zu einer derartigen Behauptung wird man sich schwerlich entschließen können. \n  Die \"Realität\" der Bildung, zu gegebenen historischen Zeitpunkten, ist ein Sachverhalt, der mit der Erwartung \"empirisch\" zuverlässiger Daten, also zählbar und meßbar nicht hinreichend beschrieben werden kann. Wenn – nach einem Theorem des symbolischen Interaktionismus – nicht nur die zähl- und meßbaren Daten einer Situation zu deren Realität gehören, sondern auch die von den Beteiligten vorgenommenen Definitionen der Situation, der vor- oder zugeschriebene Sinn, dann können auch Bildwerke als Sinnentwürfe und also als Bestandteile von historischer \"Realität\" genommen werden. Derartige Situationsdefinitionen oder Sinnentwürfe sind es, die für eine der Bildung, die sich auf Bildwerke stützen möchte, bedeutungsvoll werden. Daraus folgt, daß nicht die im Zentrum des Interesses stehen, nicht die ikonographischen Details den relevanten Wirklichkeitsgehalt verbürgen, sondern die Komposition oder Konstruktion. \n      Literatur \n   , : Kunst als Beschreibung Köln 1985.  , : Anleitung zur Interpretation: Kunstgeschichtliche Hermeneutik: Berlin 1988.  , : Patterns of Intention. On the Historical Explanation of Pictures Yale University 1985.  , : Bild und Kult. Eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst München 1990.  Ders.: Giovanni Bellini. Pietà. Ikone und Bilderzählung in der venezianischen Malerei, Frankfurt/M. 1985.  , : Bildsinn und Sinnesorgane: Neue Hefte für Philosophie, Heft 18/19 Göttingen 1980, S. 118132.  , (Hrsg.): Wie eindeutig ist ein Kunstwerk? Köln 1986.  , : Diderot und Chardin –  Zur  Theorie der Bildsamkeit in der Aufklärung: Pädagogische Korrespondenz, Heft 4, Münster 1988/89, S. 3346.  , : Icon to Narrative. The Rise of the Dramatic Close-up in Fifteenth-Century Devotional Painting Acta Academia Aboensis, Ser. A Humaniora Abo 1965.  , : Metahistory. Die historische Einbildungskraft im 19. Jahrhundert in Europa Frankfurt. 1991.  \n    "